Für einen Kurzaufenthalt im Nordwesten Belgiens mit Besuchen in Antwerpen, Gent und Brügge haben wir uns für drei Nächte im NH Collection Gent, ehemals bekannt das das NH Gent Belford, einquartiert. Für uns war dies erst die zweite Erfahrung mit der thailändisch-spanischen Kette, die inzwischen unter der Dachmarke Minor Hotels firmiert – unser erster Aufenthalt, der eigentlich ganz zufriedenstellend verlaufen war, hatte vor einigen Jahren im nhow Rotterdam stattgefunden, weshalb wir uns dachten, dass ein erneuter Besuch eines NH-Hotels nicht unbedingt schaden könne. Ob es sich gelohnt hat, erfahrt ihr in diesem Artikel.
| Informationen zum Hotel | |
| Besuchszeitpunkt | Juni 2026 |
| Name | nh Collection Gent |
| Anschrift | Hoogport 63, 9000 Gent, Belgien |
| Zimmertyp | Premium-Zimmer |
| 3 Nächte | |
| keine | |
Lage und Umgebung

Die Lage des Hotels im historischen Altstadtkern Gents hat leider ihre Tücken – insbesondere ist das Hotel nicht wirklich verkehrsgünstig gelegen, wenn man so wie wir mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen will. Ursprünglich lag direkt neben dem Hotel eine Straßenbahnhaltestelle, die dazugehörige Strecke wird jedoch inzwischen nicht mehr bedient und ist teilweise abgebaut. Alternative Straßenbahnverbindungen bestehen zwar von der ebenfalls nicht allzu weit vom Hotel entfernten Haltestelle Korenmarkt, hier besteht jedoch keine direkte Verbindung zu den Bahnhöfen Dampoort und St. Pieter. Die von hier normalerweise verkehrende direkte Straßenbahnlinie zum Hauptbahnhof St. Pieter ist aufgrund umfangreicher Kanalbauarbeiten derzeit jedoch ebenfalls eingestellt, auf der dazugehörigen Trasse ist die Oberleitung abgebaut, die Rillenschienen sind teilweise verfüllt und mitunter sind die Gleise ebenfalls komplett abgebaut (dieser Zustand wird wohl noch mindestens bis 2028 anhalten). Wer also (wie wir) über den Bahnhof St. Pieter an- und abreist, muss entweder gute 40 Minuten zu Fuß marschieren oder die Straßenbahn bis zur Haltestelle Vogelmarkt nehmen und anschließend ca 500 Meter über Kopfsteinpflaster bis zum Hotel laufen. Wer aus Richtung Antwerpen an- oder abreist, sollte idealerweise bereits am Bahnhof Dampoort aussteigen, hier ist die fußläufig zurückzulegende Distanz deutlich geringer, darüber hinaus fahren die Busse der Linie 10 von dort bis zum Hotel (halten jedoch ebenfalls einige 100 Meter entfernt).
An sonsten findet man rund um das Hotel eine große Anzahl eher touristisch ausgerichteter Restaurants und Knepien, der nächste Supermarkt (eine Filiale des niederländischen Einzelhändlers Albert Heijn) liegt gegenüber der Nikolauskirche im alten Postgebäude, das auch einige Modegeschäfte beherbergt. Grundsätzlich sind aber auch die Einkaufsstraßen der Innenstadt in wenigen Minuten erreicht.
Öffentliche Bereiche

Betritt man das Hotel durch den etwas gefühllos zwischen die historischen Fassaden gequetschten Hoteleingang (das hätte man sicherlich besser lösen können), befindet man sich zunächst in einer recht kleinen und ziemlich dicht möblierten Lobby. Hier kann es tagsüber durchaus recht eng und voll werden, insbesondere wenn die zahlreich hier stattfindenden Tagungen gerade eine Pause machen.

An der rückseitigen Wand der Lobby, neben den Eingängen zu den Aufzügen, wird den Gästen eine kostenfreie Auswahl an zweierlei aromatisierten Wassers sowie Mineralwasser mit und ohne Kohlensäure angeboten – leider mangelte es hier des öfteren an Gläsern. Auch keine kleine Auswahl an Süßigkeiten lag hier bereit.

Ebenfalls in der Lobby werden Regenschirme zur Leihe angeboten, wobei sich der Preis mit 2 Euro für 2 Tage absolut in akzeptablen Grenzen hält.

Von der Lobby aus erreichbar ist neben dem bereits erwähnten Tagungsbereich auch die Hotelbar, das Hotelrestaurant (das wir jedoch nicht genutzt haben) sowie ein mit einem Zeltdach überspannten Innenhof mit diversen Sitzgelegenheiten.

Das Hotel selbst belegt dabei einen kompletten Häuserblock und verfügt insgesamt über drei Innenhöfe – dies macht das Layout der Zimmerkorridore in den oberen Etagen recht unübersichtlich; die teilweise nicht wirklich sinnvolle Beschilderung der Zimmer (mitunter ist der Weg zu einer Zimmernummer kürzer, wenn man nicht dem Wegweiser folgt, sondern in die entgegengesetzte Richtung läuft) tut hierbei ein Übriges.

Das Zimmer
Das von uns gebuchte Zimmer der Kategorie „Premium“ (tatsächlich gibt es hier, entgegen dem allgemeinen Trend, nicht allzu viele Zimmerkategorien – nämlich Superior, Premium, Familienzimmer, Junior Suiten und vollwertige Suiten) beeindruckte zunächst durch ein sehr geräumiges Platzangebot. Hier sollte man allerdings aufpassen, denn seitens des Hotels wird für diese Zimmer eine sehr große Grundflächen-Spanne von 28 bis 45 Quadratmetern angegeben – es ist also nicht garantiert, dass man bei Buchung eines Premium-Zimmers auch eine entsprechend geräumige Bleibe erhält (ohne, dass man dagegen irgendetwas tun könnte).



Aktiv beeinflussen kann man jedoch, ob man vom Zimmer aus auf einen der Innenhöfe oder nach draußen auf die Straße blickt – hierzu bietet das Hotel jede Zimmerkategorie zusätzlich gegen einen gewissen Aufpreis mit dem Attribut „View“ an. Wir hatten uns jedoch gegen ein Zimmer mit Aussicht entschieden, so dass wir lediglich auf den hintersten der drei Innenhöfe schauen konnten.

Das Zimmer war hierbei mit allem ausgestattet, das man von einem Hotel der 4-Sterne-Kategorie erwarten kann. Neben einer befüllten Minibar zu üblichen Preisen (den 50-Gramm-Riegel Toblerone für 7,50 Euro fand ich dann jedoch deutlich zu teuer) wurden Möglichkeiten zur Kaffee- und Teezubereitung, Bügelutensilien und Schuhputzzeug geboten.



Positiv aufgefallen ist mir an diesem Zimmer, dass einige Elemente, die ich sonst schmerzlich in Hotels vermisse, vorhanden waren – so befand sich zu beiden Seiten des Bettes sowohl eine Steckdose als auch ein Master-Lichtschalter, im Bad findet man neben dem Spiegel sogar gleich zwei vollwertige Steckdosen und direkt hinter der Tür ermöglichen es zwei Kleiderhaken, Jacken direkt aufzuhängen, ohne erst quer durch das Zimmer laufen zu müssen.
Gefehlt hat mir jedoch wieder einmal ausreichende Ablagefläche im Bad (hier hat man auf beiden Seiten des Waschtischs sicherlich je 20cm mögliche Ablagefläche ungenutzt gelassen), eine verschließbare Garderobe (das Gestänge zum Aufhängen von Kleidung lässt sich lediglich mit einem Vorhang verdecken) und eine Sperrkette an der Tür – in unserem Zimmer bestand keine zwingende Möglichkeit, ungebetene Besucher fernzuhalten. Auch aufgefallen ist mir, dass der Minibar-Kühlschrank kompressorgetrieben war, das entsprechende Geräusch war aber bei geschlossener Schranktür kaum hörbar. Deutlicher hören konnte man dafür die sehr niederfrequenten Vibrationen, die die Lüftung von sich gegeben hat – hier kam ich mir mitunter wie in einer Kabine auf einem Schiff vor.
Eine Spezialität dieses Hotels ist darüber hinaus das Opt-Out-Verfahren für die tägliche Zimmerreinigung. Dies trifft man inzwischen zwar in immer mehr Hotels an, dafür wurde man hier aber nicht mit einem pauschalen Punktebetrag für das Kundenbndungsprogramm, sondern mit Gutscheinen für die Hotelbar für den Verzicht auf die Reinigung belohnt – und das pro Nacht und pro Person im Zimmer, so dass wir praktisch jeden Tag zwei Freigetränke im Wert von je ca. 7 Euro „abstauben“ konnten.

Dieses Verfahren hat natürlich den Nachteil, dass beim Verzicht auf die Zimmerreinigung auch Badezimmer-Amenities wie Toilettenpapier oder andere Verbrauchsgegenstände wie Kaffeekapseln nicht nachgefüllt werden können. Hier hat man aber auch mitgedacht und eine gebührenfreie Online-Bestellmöglichkeit geschaffen. Die von uns nachgeorderten Kaffeekapseln fanden dann auch binnen 20 Minuten den Weg auf unser Zimmer.
Auch das zum Zimmer gehörende Bad stach mit einem großzügigen Platzangebot hervor und war sowohl mit Badewanne als auch mit einer Duschkabine ausgestattet.


Hier wurde (neben den online bestellbaren zusätzlichen Amenities) bereits eine grundlegende Auswahl an Zubehör geboten, auch zwei Bademäntel mit unterschiedlich großen Hausschlappen (Größe M und Größe L) fanden wir hier.


Wie in Ländern, die in irgendeiner Weise einmal von Frankreich beeinflusst wurden, findet man auch in diesem Zimmer die Toilette komplett vom Bad getrennt. Nachteilig fand ich hier nur, dass es in der Toilette kein kleines Handwaschbecken gab und dass sich die Toilettentür nicht abschließen ließ.

Fazit
Das NH Collection Gent hat mich durchaus positiv überrascht – wir hatten keine Ahnung, was wir von einem Hotel dieser Marke würden erwarten können, unsere Erwartungen wurden aber allesamt erfüllt. Angefangen beim vergleichsweise günstigen Übernachtungspreis von unter 200 Euro pro Nacht über die vollständige Ausstattung des sehr geräumigen Zimmers bis hin zum großzügigen Opt-Out-Angebot für die Zimmerreinigung habe ich am Hotel selbst eigentlich kaum etwas auszusetzen. Gestört hat mich vielmehr die schlechte Verkehrsanbindung, deretwegen ich mir wirklich überlegen würde, ob ich hierhin noch einmal zurückkehren wollen würde – sofern es denn überhaupt noch einmal einen Grund gibt, nach Gent zu reisen.
