Die Schnellzugverbindung Heathrow Express zwischen dem Londoner Bahnhof Paddington und dem Flughafen London-Heathrow gilt als die fahrpreistechnisch teuerste Bahnverbindung der Welt. Aus Bequemlichkeitsgründen (dazu später mehr) habe ich diese Verbindung nach langer Zeit noch einmal genutzt und möchte euch gerne an dieser Fahrt und meinen Gedanken dazu teilhaben lassen.
| Informationen zur Fahrt | |
| Zeitpunkt | August 2026 |
| Betreiber | Great Western Railway |
| Von | London Paddington Station |
| Nach | London Heathrow Terminal 5 Rail |
| Abfahrtszeit | 14:40 Uhr |
| Ankunftszeit | 15:01 Uhr |
| Dauer | 0:21 Stunden |
| Rollmaterial | Bombardier Electrostar Baureihe 387 |
| Reiseklasse | Standard Class (2. Klasse) |
Hintergrund
Nachdem vor vielen Jahren die Erreichbarkeit des Flughafens Heathrow mit öffentlichen Verkehrsmitteln immer wieder scharf kritisiert wurde, entschloss man sich, zusätzlich zur recht langsam verkehrenden Piccadilly Line der London Underground einen direkten Eisenbahnanschluss zum Flughafen zu errichten. Auf diesem wurden sodann zwei neue Linien mit der Bezeichnung „Heathrow Connect“ sowie „Heathrow Express“ eingerichtet. Mit der Fertigstellung der ersten Crossrail-Linie wurde die Verbindung Heathrow Connect (mit einigen Zwischenhalten) eingestellt und durch die auf der Crossrail-Strecke verkehrenden Züge der Elizabeth Line ersetzt.
Erstaunlicherweise hat man in diesem Zusammenhang den Heathrow Express zunächst beibehalten und den Betreibervertrag zwischen der Konzessionsinhaberin Heathrow Airport Holdings sowie der aktuellen Betreiberin Great Western Railways sogar bis ins Jahr 2027 verlängert. Im Gegensatz zu den Zügen der Elizabeth Line verkehren die Züge des Heathrow Express vom Bahnhof Paddington aus ohne Zwischenhalt auf den Ausbaugleisen der Great Western Main Line bis zum Abzweig beim Bahnhof Hayes & Harlington und halten am Flughafen nur an den Terminals 2 und 3 sowie am Terminal 5. Für die ca. 22 km Luftlinie zwischen den beiden Endbahnhöfen benötigen die Züge des Heathrow Express 21 Minuten, wofür ein exorbitanter Fahrpreis von 26 GBP pro einfacher Fahrt (ca. 30 EUR) aufgerufen wird – immerhin über 10 GBP mehr als für Tickets auf der parallel, aber etwas langsamer verkehrenden Elizabeth Line, zu berappen sind.
Vor einigen Wochen wurde durch den Londoner Oberbürgermeister Sadiq Khan öffentlich der Sinn dieser Eisenbahnverbindung in Frage gestellt, so dass es durchaus möglich ist, dass diese mit dem Auslaufen des aktuellen Vertrags im kommenden Jahr eingestellt wird (Spoiler: für meine Begriffe hätte diese Linie schon längst eingestellt werden sollen, mehr dazu aber im Fazit).
Vor der Fahrt
Unmittelbar vor meiner Fahrt zum Flughafen war ich mit einem Fernverkehrszug am Bahnhof Paddington angekommen – das war auch der eigentliche Grund, weshalb ich den erheblichen Aufpreis für den Heathrow Express zu bezahlen bereit war; ich konnte nämlich ein durchgängiges Ticket von meinem Abfahrtsort Swindon bis zum Flughafen buchen, was für andere Verbindungen aufgrund des Verbundtarifs nicht möglich ist. Hier hatte ich aufgrund einer Weichenstörung kurz vor dem Bahnhof Paddington eine Verspätung von 20 Minuten, so dass ich meine ursprünglich geplante Verbindung verpasst hatte. Die nächste Verbindung wurde dann gleich auch mal gestrichen (vermutlich auch aufgrund der Weichenstörung, die Züge des Heathrow Express nutzen die gleiche Strecke wie der Fernverkehr), so dass die erste mögliche Verbindung, die ich nehmen konnte, aufgrund des Ausfalls natürlich sehr stark ausgelastet war.

Am Bahnhof Paddington werden, ähnlich wie am Flughafen Heathrow, die Abfahrtsbahnsteige erst wenige Minuten vor Abfahrt des Zuges bekannt gegeben, so dass auf dem Querbahnsteig des Kopfbahnhofs grundsätzlich mit sehr viel Gedränge, insbesondere vor den Abfahrtstafeln zu rechnen ist. Die Züge des Heathrow Express fahren dabei aber grundsätzlich planmäßig von den Bahnsteigen 6 und 7 ab, so dass man sich zumindest hier schon rechtzeitig durch die Bahnsteigsperren begeben kann.
An Bord
Auf dem Heathrow Express kommen Doppeltraktionen der Triebwagenfamilie mit der Bezeichnung „Electrostar“ des Herstellers Bombardier zum Einsatz, die für eine Höchstgeschwindigkeit von 110 Meilen pro Stunde (ca. 180 km/h) zugelassen sind. Im Gegensatz zu den übrigen Zügen dieser Baureihe, die vor allem im Regionalverkehr unterwegs sind, hat man hier in den Einstiegsbereichen große Gepäckfächer und eine erste Klasse installiert. Zusätzlich wurden die Züge auch mit Fernsehmonitoren ausgestattet, auf denen während der Fahrt trotz des ohnehin schon übertriebenen Fahrpreises zu allem Überfluss auch noch Werbung in Dauerschleife abgespielt wird.

Die Sitzanordnung wechselt zwischen Reihensitzen und Vierer-Sitzgruppen, wobei letztere im Gegensatz zum Fernverkehr nicht über Tische zwischen den Sitzen verfügen. Auf beiden Seiten des Gangs findet man dabei in der zweiten Klasse jeweils 2 Sitze, in der ersten Klasse die auch in Mitteleuropa übliche 2+1-Anordnung.


Die Fensterplätze sind dabei auch mit einer Steckdose (inkl. 2 USB-A-Ports) ausgestattet, die Reihensitze verfügen über Klapttische an der Rückenlehne des Vordersitzes, die zwischen allen Sitzen und an der Gangseite vorhandenen Armlehnen lassen sich ebenfalls hochklappen.

Zusätzlich sind die Züge der Baureihe 387 auch mit einem WC ausgestattet, an sonsten bewegen sich Ausstattung und Sitzkomfort (die Sitze lassen sich nicht verstellen) auf dem Niveau eines Regionalzuges.

Die Fahrt an sich verläuft unspektakulär und ist mit ihren 20 Minuten auch nicht allzu lang. Eine Ticketkontrolle fand während meiner Fahrt nicht statt (die Tickets werden aber ohnehin durch die Bahnsteigsperren am Ankunfts- und Zielbahnhof geprüft), was möglicherweise aber auch der hohen Auslastung des Zugs geschuldet war – so leer wie auf den Bildern war es nur, als das Einsteigen gerade begonnen hatte. Am Ende standen die Mitreisenden wie in der Sardinenbüchse in den Gängen.
Ankunft
Ärgerlich bei der Ankunft am Flughafen Heathrow mit der Bahn (das betrifft aber tatsächlich alle möglichen Bahnverbindungen hierher) finde ich grundsätzlich, dass die Abflusswege von den Bahnsteigen in die Terminals deutlich unterdimensioniert sind, so dass es hier regelmäßig zu erheblichem Rückstau kommt.
Erschwert wird dies dadurch noch, dass viele Fahrgäste mit den Bahnsteigsperren nicht klar kommen (hier könnte es ggf. sinnvoll sein, ähnlich wie beim Airport Express in Hongkong die Tickets nur an der innerstädtischen Station zu prüfen) und dass man aus welchen Gründen auch immer versucht, die Leute zur Nutzung der (ebenfalls unterdimensionierten) Aufzugsanlagen statt der Rolltreppen zu zwingen – letztere sind nämlich (möglicherweise bewusst?) so angeordnet, dass man erhebliche Umwege in Kauf nehmen muss, um in den Abflugbereich des jeweiligen Flughafenterminals zu gelangen. Man sollte sich also nicht wundern, wenn der Weg vom Bahnsteig in die Abflughalle länger dauert als die eigentliche Bahnfahrt zum Flughafen.
Fazit
Kommen wir abschließend also zu der Frage, ob sich eine Fahrt mit dem Heathrow Express im Vergleich zu den anderen schienengebundenen Anreisemöglichkeiten zum Flughafen Heathrow lohnt. Meine klare Meinung hierzu ist „nein, auf keinen Fall“, und das aus zwei Gründen:
Zum einen wird der hohe Fahrpreis für den Heathrow Express mit einem angeblichen Zeitvorteil gegenüber den Zügen der Elizabeth Line gerechtfertigt – tatsächlich beträgt der Zeitvorteil aber nur 10 Minuten, zum anderen finde ich auch den auf anderen Verkehrsmitteln angewandten Verbundtarif mit seinen knapp 16 GBP schon ziemlich happig. Dazu kommt, dass bei Nutzung des Verbundtarifs aufgrund des täglichen Fahrpreislimits weitere Fahrten im Verbundnetz (z.B. mit Bus oder Underground) am gleichen Tag praktisch kostenfrei sind, was bei Kauf eines Tickets für den Heathrow Express nicht der Fall ist.
Der zweite Grund betrifft den Zeitvorteil selbst – dieser ist tatsächlich nur vorhanden, wenn man direkt am Bahnhof Paddington startet (bzw. dorthin reist) weil man entweder direkt dorthin möchte oder dort von oder in einen Zug des Fernverkehrs umsteigt. Bei allen anderen Verbindungen (z.B. in andere Londoner Gegenden) ist ohnehin ein Umstieg mit Lauf- und Wartezeiten erforderlich, der den Zeitvorteil schnell zunichte machen. Wer am Flughafen von oder zum Terminal 4 reist, muss innerhalb des Flughafens ohnehin noch einmal umsteigen und verliert den Zeitvorteil dadurch bereits zwangsläufig. Bei Nutzung der Elizabeth Line kann hingegen direkt von der Londoner Innenstadt bis zum jeweiligen Terminal unsteigefrei durchgefahren werden, so dass diese Verbindungen grundsätzlich schneller und dabei eben auch um ein gutes Drittel kostengünstiger sind.
Dementsprechend bin ich mit meinem Fazit voll bei Bürgermeister Khan: die Bahnverbindung des Heathrow Express gehört schnellstmöglich eingestellt. Sinnvoll könnte es in dem Zusammenhang für meine Begriffe jedoch sein, auf der Elizabeth Line einige Züge von der Station Paddington ohne Zwischenhalte direkt zum Flughafen Heathrow durchzubinden, ähnlich wie dies beispielsweise bei der ERIO-Linie der Pariser RER zwischen dem Gare du Nord und dem Flughafen Charles de Gaulle der Fall ist.